Am Ende eines Sommers

Vielleicht wäre es besser, wenn ich deinen Namen längst vergessen hätte und den Klang deiner Stimme, den Geruch deiner Haut, den traurigen, besoffenen Blick deiner Augen. Aber dann müsste ich auch dein Land vergessen, seine Sonne, sein Blau, sein glitzerndes Meer. Dein Land, in das ich mich verliebt habe wie in dich. Ich habe mich frei gefühlt, während ich dir gehört habe, so frei wie noch nie. Als du mir gesagt hast, dass du gehen musst und ich dir nicht folgen soll, wolltest du mich freigeben, damit ich nach Hause fahren kann. Aber hier, im Winter meiner Heimat gibt es keine Freiheit und kein Zuhause mehr für mich denn meine Freiheit habe ich bei dir gelassen und mein Zuhause in deinem Land. Die Erinnerung an diesen Sommer ist, obwohl verblasst, noch immer farbiger und lebendiger, als meine Realität hier, in die ich zurückgekehrt bin, ohne zu wissen warum. Das Bild deiner Sonne strahlt heller, als die Sonne über mir im grauen Winterhimmel, und es ist der Gedanke an sie, an dich, der mich wärmt, wenn mich die Kälte dieses Landes und seiner Menschen umfängt. Du wolltest mich freigeben, aber ich fühle mich eingesperrt, hier in diesen dunklen Gassen, unter trübem Himmel, umgeben von grauen Häusern und unfreundlichen Gesichtern. Ich glaube, dass ich zurückgekehrt bin, um mich zu verabschieden, nicht von dir und der Erinnerung an deine Heimat, sondern von mir, meinem alten Leben und meiner Heimat. Ich wollte noch einmal den Winter sehen, das Grau, die Kälte spüren, die Verschlossenheit, um all dem Adieu zu sagen und dem Gefühl zu folgen, dass mir schon vor Monaten, am Ende dieses Sommers, gezeigt hat, dass es etwas gibt, das mir wichtiger ist als meine Heimat, nämlich frei zu sein, und dem ich mehr vertraue, als den Stimmen, die mich halten wollen aus Angst, dass ich ihnen widerlegen könnte woran sie glauben, dass es keine Freiheit gibt, keine Liebe, kein Leben, am Ende eines Sommers.

Published
Categorized as Lyrik